Seit 40 Jahren gut vernetzt: der Wirtestammtisch


Kontakte knüpfen, Kontakte halten, dafür kommt inzwischen das Smartphone zum Einsatz. Ein Handy besaß Horita Wolf zwar, Urgestein der Charlottenburg-Wilmersdorfer Gastronomenszene und der Berliner Gasthausmission, "sie nutzte ihr Telefon aber kaum", erinnert sich die Tochter, Evita Baumberger. Netzwerken in analoger Form, das war die Stärke ihrer 2010 verstorbenen Mutter, der Grande Dame der West-Berliner Gastroszene. Evita Baumberger hat sich gegen das Hotelfach entschieden, behielt aber die Mitgliedschaft in der GaMi, von der Horita Wolf sagte: "Gute Sache. Das machen wir." So oder so ähnlich dürfte es im Juni 1982 zur Gründung des Wirtestammtischs gekommen sein. Sie kannte alle, und alle kannten Horita. Das traf nicht nur auf die Hoteliers und Wirte des Bezirks zu, es galt auch für den Stadtrat und die Bezirksbürgermeisterin. Die Interessen und Anliegen der Gastronomie hatte Horita Wolf gegenüber der Politik zu vertreten, in ihrem Amt als DEHOGA-Bezirksmeisterin. Das tat sie, und nicht minder gerne und gut hielt sie Kontakte zu Unternehmen. Darüber sagte sie: "Ich gehe fechten."

Als der Wirtestammtisch anlief, war das ein strategischer Vorteil. Die Zusammenkünfte, einmal im Monat, stärkten Wirtschaft und Innung. Als feste Größe bildete sich mit den Jahren die Dampferfahrt im Sommer heraus. Dann tummelten sich bis zu 200 Personen an Bord eines Berliner Ausflugsschiffs, und wie könnte es anders sein: Auch die Reederei saß im Wortsinn mit im Boot. Obwohl der Termin in der Woche lag. Hieß: Die teilnehmenden Hoteliers und Wirte musste eine Vertretung für Gaststube oder Hotel organisieren. Für Horita Wolf, die selbst ihre Pension nebst Weinstube in der Fasanenstraße führte, war die Ausfahrt - trotz tüchtigem, zusätzlichem Organisationsaufwand - eine schöne Abwechslung. Mit den Jahren wuchs die Zahl der Gäste, die selbst keine Gastronominnen und Gastronomen waren, aber von solchen mitgebracht wurden.

2010 organisierte Horita Wolf zum letzten Mal die Dampferfahrt, hat sie aber nicht mehr miterleben können. Umgesetzt wurde der Termin im Jahr darauf, in Gedenken an die Urheberin des Berliner Wirtestammtischs. Evita Baumberger weiß: "Der Wirtestammtisch spielte eine große Rolle im Leben meiner Mutter." Und auch wenn das Netzwerken in digitalen Zeiten ein anderes geworden ist und die Reihen der Urgesteine lichter sind, hält der DEHOGA die Tradition hoch. Zum Jubiläum wird am 24. Juni ab 16 Uhr im Preußischen Landwirtshaus (Flatowallee 23, 14055 Berlin) gefeiert. Für die Berliner Gasthausmission wird Hans-Georg Filker ein Grußwort sprechen und das gute Miteinander von GaMi und Wirtestammtisch würdigen. Auf einen kleinen fotografischen Rückblick auf die vergangenen vier Jahrzehnte, vorbereitet von den "dienstältesten" Mitgliedern, dürfen die Gäste gespannt sein. Die Anmeldung zur Jubiläumsfeier ist nicht erforderlich.

Spenden-Aufruf

Unterstützen Sie die GasthausMission.