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Gestartet im Schwarzwald, gelandet an der Spree: Seit 20 Jahren lebt und arbeitet Stefanie Jüngerkes in Berlin. Ihr Dienstjubiläum ist zugleich der 20. Geburtstag des Dietrich-Bonhoeffer-Hotels im Bezirk Mitte, eines engagierten institutionellen Mitglieds der Berliner Gasthausmission. Die Direktorin der Berliner Hospes GmbH ist seit zwei Jahren zudem Präsidentin des Verbands Christlicher Hoteliers (VCH). Wie es sich ihr Vater gewünscht hatte, lernte sie die Gastronomie von der Pike auf kennen. Zielstrebig und konsequent erlebte der Konditormeister seine Tochter früh: Katholisch aufgewachsen und erzogen, setzte Stefanie durch, gemeinsam mit ihrer besten Freundin in die Ministrantengruppe der Ortsgemeinde aufgenommen zu werden; als Mädchen. Im Schwarzwald der 1980er Jahre ein neues Kapitel.
Apropos: Manchmal macht ein Bogen Papier den Unterschied bei einem solchen, neuen Kapitel. Ein Brief kroch vor drei Jahrzehnten aus dem Faxgerät des Hotels Bareiss in Baiersbronn im Schwarzwald; Absenderin war eine junge Frau aus dem südbadischen Bad Säckingen, Abiturientin, Tochter einer Konditorenfamilie. Ihre Anfrage: „Welche Berufe kann man in einem Fünf-Sterne-Hotel lernen?“
Drei Häuser im Schwarzwald hat Stefanie Jüngerkes – damals Stefanie Schmidt – angeschrieben. Mutig, unkonventionell, „aus heutiger Sicht vielleicht auch ein bisschen naiv“, überlegt sie. Damals war sie arglos, schließlich hatte der ältere Bruder das Vorgehen für gut befunden, als sie eines Abends den Gedanken laut dachte, beruflich Richtung Gastronomie zu gehen.
„Das Bareiss antwortete per Brief, auf wertigem Papier, und legte eine Broschüre über das Haus bei“, erinnert sie sich. Das habe sie beeindruckt. Zumal sich das zweite der angefragten Häuser darauf beschränkte, ihr Fax – mit einer kurzen Antwort versehen – zurückzufaxen. Das verwendete, dünne Thermopapier, das dabei den doppelten Weg zurücklegte, machte das Ergebnis entsprechend unleserlich. Das gab Minuspunkte bei der Berufseinsteigerin. Und Haus Nummer drei? Ließ sich mit dem Antworten Zeit. Stefanie Jüngerkes behielt, „dass Hotelgewerbe und Gastronomie immer Service bedeutet. Dafür braucht es eine dienende Haltung.“ Diese Wertschätzung mache den für sie „schönsten Beruf der Welt“ aus. Denn "gastfrei zu sein, vergesst nicht, dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt", fällt ihr der Vers aus dem Hebräerbrief ein (13,2).

Sie lernte im Bareiss den Beruf der Restaurantfachfrau. Nach Berlin ging es in dieser Zeit auch, erstmals, besuchsweise. 1997 begleitete sie einen Azubi-Kollegen, der seine Familie in Marzahn besuchte. Größer hätte der Kontrast zwischen Schwarzwälder Idyll und Berliner Ostmoderne kaum sein können. Ein Plattenbau ist es auch, von dem aus Stefanie Jüngerkes heute auf die Friedrichstraße blickt. Das Dietrich-Bonhoeffer-Hotel liegt nur wenige Minuten vom ehemaligen Grenzübergang entfernt, auf Ost-Berliner Boden.
Im Juni 2006 kam sie zum zweiten Mal nach Berlin, flexibel aufgestellt durch die Ausbildung plus einem Studienabschluss im Fach Kulturmanagement, Auslandsjahr im französischen Arles und Berufserfahrung im Marketing eines Schwarzwälder Uhrenmuseums. Auf einer Fortbildung hatte sie zuvor den Geschäftsführer der Hospes GmbH kennengelernt, der sie im neu gegründeten, christlichen Hotel in Berlin-Mitte für den Bereich Marketing einstellte. Sechs Monate waren schnell vorüber. 2008 wurde sie seine Nachfolgerin und ist damit auch für die Bildungsstätte Schwanenwerder in Berlin-Zehlendorf, sowie für ein kleineres Haus im Süden Brandenburgs zuständig. Und: Ansprechpartnerin für die GaMi. Das christliche Profil und der soziale Zusammenhalt am Arbeitsplatz sind die Alleinstellungsmerkmale der Häuser im pulsierenden aber auch teils anonymen Großstadtgeflecht. Gäste und das internationale Team sind gleichermaßen Teil davon. Die Hospes GmbH hält guten Kontakt zur Berufsschule Talitha Kumi, einem christlichen Schulzentrum in Palästina. Auch dort wird Nachwuchs für Hotelgewerbe und Gastronomie ausgebildet. Regelmäßig kommen junge Erwachsene aus Talitha Kumi zum Hospitieren nach Berlin. Einige sind für ein Ausbildungsjahr geblieben. Möglicherweise werden, wie bei der Chefin, für den einen oder die andere zwei Jahrzehnte daraus. Und wer sich initiativ bewirbt, bekommt die Antwort garantiert nicht per Fax.
Text: Tanja Kasischke / Fotos (2): Peter Oppermann