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Vor dem Umbau ist nach dem Umbau. Das Dietrich-Bonhoeffer-Hotel in Berlin-Mitte hat nach Monaten intensiver Renovierung die Fertigstellung des neuen Empfangsbereichs gefeiert. Mit einem Empfang, wie sich das im Wortsinn anbietet. Neben geladenen Gästen durfte das Team feiern, die Arbeiten in der Lobby und im Atrium fanden bei laufendem Betrieb statt und haben Gästen und Mitarbeitenden einiges abverlangt. Bereits 2018 war das Restaurant erneuert worden. Weiter geht's: In einem nächsten Vorhaben bekommen die 75 Zimmer des Hauses ein „Facelifting“.
Apropos, Namensgeber Dietrich Bonhoeffer erscheint auf der neuen Webseite des VCH-Hauses in Farbe. Ein historisches Foto des Theologen, der Berlin gelebt, gelehrt und gewirkt hat, wurde nachkoloriert. In der Menüführung der Seite steht er neben dem Team unter „Über uns“, auch eine Würdigung des christlichen Profils des Hotels. Alle schauen aufeinander. Das Bonhoeffer-Hotel wurde vor 40 Jahren als Verwaltungsgebäude und Tagungsort des Bundes der Evangelischen Kirche der DDR gebaut, eine klassische sechsgeschossige Platte direkt neben dem Bahnhof Friedrichstraße und dem „Tränenpalast“. Dass West-Gästen ihre Pässe abhanden kamen und Personal damit über die Grenze floh, brachte die zentrale Lage mit sich. Gäste, die vier Jahrzehnte später erstmals im generalüberholten Empfangsbereich stehen, dürften staunen. Von außen ist das Hotel Kind seiner Zeit geblieben. Innen entfaltet sich das Jetzt. Der Empfangstresen hat noch dieselben Maße wie vor dem Umbau, wirkt durch eine hellere Holzverkleidung aber breiter. Die Lobby, zuvor von einem Geldautomaten samt Sicherheitskammer stark eingeschränkt, ist nach dessen Entfernung tatsächlich größer geworden. Ebenso gewachsen: Die Rezeption, die Wand hinter dem Regal für die Zimmerschlüssel wurde weggenommen. Seit 1993 ist das Hotel Unterkunft und Tagungszentrum, längst auch für nicht-kirchliche Player wie Stiftungen, Verbände, Nichtregierungsorganisationen. Mitglied der Berliner Gasthausmission ist das Haus seit langem.


Direktorin Stefanie Jüngerkes hat wie Dietrich Bonhoeffer im Februar Jubiläum. Unmittelbar nach dem 120. Geburtstag des Theologen (4.2.1906), am 8. Februar 2026, ist sie auf den Tag genau 18 Jahre – quasi volljährig – Geschäftsführerin der Hospes Evangelisch-Tagen GmbH, zu der neben dem Haus in Mitte die Gästehäuser Schwanenwerder in Berlin-Zehlendorf und Dahme im Landkreis Teltow-Fläming (Brandenburg) gehören. Seit zwei Jahren ist sie Präsidentin des Verbands Christlicher Hoteliers. „Wir haben den schönsten Job der Welt. Jeder Tag ist anders“, beschriebt die aus Baden stammende Unternehmerin das Hotelgewerbe. 2006 kam die Kulturwissenschaftlerin nach Berlin, eigentlich wollte sie nur ein halbes Jahr lang hospitieren. Nun sind es zwei Jahrzehnte. Vor zwei Wochen musste sie mit dem Team in Schwanenwerder improvisieren, das vom Blackout nach den Anschlag auf Berlins Stromversorgung betroffen gewesen war, und einen Auszubildenden aus Marokko trösten, dem die winterlichen Temperaturen enorm zusetzten. Was hat sie ihm gesagt? „Dass mich die Kälte auch ärgert.“ Alle schauen aufeinander.

George Anastas (Foto links) wappnet sich mit einer warmen Winterjacke. Er absolviert ein Jahr als Trainee im Bonhoeffer-Hotel. Der junge Mann aus Jerusalem besuchte die Hotelfachschule Talita Kumi in Beit Jala (Palästina), mit der die Hospes GmbH seit 2010 eine vitale Partnerschaft pflegt, und fügt seinem Lebenslauf nun noch ein Highlight an. „Gastfreundschaft ist bis hoch ins Management wichtig, das habe ich von meinem Vater vorgelebt bekommen“, erzählt er, und wie der, ein griechischstämmiger Hotelier, den Sohn als Zehnjährigen schon mit an die Rezeption genommen habe. „Den Arbeitsplatz an der Rezeption mag ich bis heute am liebsten“, sagt George. Mit ihm ist Bahar Hih (Foto rechts) aus Talita Kumi nach Berlin genommen, sein „Revier“ ist die Küche. Stefanie Jüngerkes liegt die Zusammenarbeit am Herzen: „Jedes Jahr kommen zehn Hospitanten von dort zu uns in Haus, zwei Wochen lang.“ Wer Feuer fange, bewerbe sich für ein Jahr als Trainee, wie Bahar und George. 45 Mitarbeitende hat das Dietrich-Bonhoeffer-Hotel insgesamt, darunter sind auch Auszubildende im Hotelfach, im Restaurantfach und in der Küche. Der „Frühstückschef“ aus dem Service-Team ist seit 18 Jahren im Haus. Dienstvolljährig, wie die Chefin.
Text & Fotos (2): Tanja Kasischke / Dietrich-Bonhoeffer-Hotel (2)