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Das kleine geschwungene Initial R ziert noch immer das Revers von Gunther Birkholz. R für Radeberger, die Biermarke, unter deren Dach auch die Berliner Kindl-Schultheiss-Brauerei aus Weißensee firmiert. Birkholz war fast 20 Jahre deren Verkaufsleiter für das Gastgewerbe. So stieß er auf die Berliner Gasthausmission und ist ihr seitdem verbunden. Mitglied geworden ist er 2025, nach dem Eintritt in den Ruhestand.
Eine Mitgliedschaft, begründet der gebürtige Westfale, sei ein Bekenntnis. Dabei Berufliches und Privates zu trennen, war ihm ein Anliegen. Birkholz unterstützt die Arbeit der Berliner Gasthausmission auch als Christ. "Ich war 45 Berufsjahre in der Gastronomie tätig. Da sieht man viel und man erlebt noch mehr, nicht nur Erfolge, auch Schwere, auch harte Zeiten. Da schaut die GaMi nicht weg, sondern ist für die Menschen da. Das finde ich gut." In gewisser Weise verbindet ihn das mit der Frau, die Gunther Birkholz einst auf den Verein gestoßen hat: Wirtestammtisch-Gründerin Horita Wolf (1924–2010), Berliner Gastronomin, um nicht zu sagen Legende. Sie hielt der Gasthausmission die Stange, weil sie sich dort gesehen fühlte – und daran erinnert, dass Menschen christlichen Glaubens schon als Kind zu ihr gehalten hatten, wenn sonst niemand zu ihr hielt. Die Dorfclique in Berlin-Karow machte einen Bogen um die Wirtstochter, die Pfarrerskinder bezogen die junge Horita ohne Wenn und Aber ein. Jahrzehnte später erklärte Horita Wolf dem von ihr initiierten Berliner Wirtestammtisch: "Gasthausmission, das ist gut! Domgottesdienst für das Gastgewerbe, da sind wir dabei." So kam es. Auch für Gunther Birkholz, der sich daraufhin einbrachte und über seinen Arbeitgeber für den Empfang im Dom das Bier beisteuerte. So hatte das Event immer etwas auf dem Kasten.
Dabei begann alles mit einem Abflug – aus Berlin-Tempelhof nämlich, an Bord eines Rosinenbombers, 1961. Kurz vor dem Bau der Mauer reisten die Eltern Birkholz mit dem damals dreijährigen Gunther und seiner um ein Jahr jüngeren Schwester in die Bundesrepublik aus. In Westfalen hatte der Vater schon einmal Fuß gefasst, nach der Flucht aus Pommern, war dann aber beruflich nach Berlin zurückgekehrt. Bis ihm dort die Nachricht zu Ohren kam, die Grenze würde geschlossen. Gunther Birkholz' Mutter, eine Wirtstochter, stammte aus Thüringen. Das erklärt, warum der Sohn, mitten im katholischen Hamm in Westfalen, evangelisch getauft und konfirmiert wurde. Berlin würde er erst nach dem Fall der Mauer wiedersehen.
Weil der Numerus Clausus für sein Wunsch-Studienfach Architektur zu hoch ausfiel, beschloss der junge Mann, einige Zeit zur Überbrückung zu jobben. Seine Wahl fiel auf die prominente Dortmunder Union-Brauerei. Dort gefiel es ihm so gut, dass er beruflich umsattelte und Kaufmann wurde. Wie gut die Berufung zu ihm passt, ist Gunther Birkholz' Wesen abzulesen. Flott und zuverlässig hat er sich bei der Gasthausmission als Unterstützer einen Namen gemacht – nun auch als Mitglied. Die Sympathie für seine Mit-Westfalen aus den Reihen der GaMi, Hans-Georg Filker (gebürtig aus Essen) und Jan von Campenhausen (Dortmund) war das Schlusssteinchen im Mosaik. Dass beim Empfang nach dem Domgottesdienst auch in Zukunft Bier fließt, darum kümmert sich jetzt sein Nachfolger.