Bei meinem Italiener um die Ecke sind die Rollladen schon eine ganze Weile verschlossen. Auf der schönen Schiefertafel, wo sonst die kulinarischen Angebote für den Abend mit Kreide aufgeschrieben sind, steht nüchtern: „Bis auf weiteres geschlossen.“ Und dann weniger nüchtern: „Wir freuen uns darauf, Sie nach Corona wieder begrüßen zu dürfen!“

Ja, das glaube ich, wenn ich an die so freundliche Bedienung denke. Bei ihr ließ jede Begegnung ein Lächeln zurück. Und das Essen auf dem Teller war jeden Euro wert. Wie mag es ihr jetzt gehen?

Jetzt bleibt die Küche kalt und die Gäste zu Hause. Mit den ausgefallenen Einnahmen und bleibenden Kosten geht es ganz schnell ins Minus. Hoffentlich reicht es so lange, um dann wieder starten zu können. Die ganze Zeit freue ich mich darauf, wenn meine Frau und ich dort wieder als Gäste begrüßt werden können.

Gesunde Unternehmen sind in der Existenz bedroht. Kurzarbeit null ist in Deutschland wieder zu Hause, besonders im Gastgewerbe. Hart trifft es auch die, die schon in den Zeiten der Hochkonjunktur nicht mitkamen. Ich meine die Obdachlosen. Eine kürzliche Zählung hat die Zahl von etwa 2000 Menschen ergeben, die in Berlin auf der Straße leben,  aber es gibt eine beträchtliche Dunkelziffer.

Bei uns in Neukölln steht über dem Eingang der Philipp Melanchthonkirche in großen Buchstaben in Stein gehauen das Jesuswort: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

Hier erleben wir als Gemeinde gerade die Rolle des Gastwirtes in noch anderer Art.

Wir verstehen das Jesuswort als Auftrag für uns.
Darum konnten regelmäßig Obdachlose bei uns in der Kirche übernachten. Das darf man sich nicht wie in einem Hotel vorstellen. Es gibt eine Isomatte mit frischer Wäsche auf dem Boden.

Diese Beherbergung ist unter den jetzigen Bedingungen leider nicht möglich. Darum haben Ehrenamtliche überlegt: „Wie können wir dazu beitragen, in dieser Situation Not zu lindern?“ So kamen sie auf die Idee Lunchpakete zu packen, die jetzt  an der Kirchentür verteilt werden. Keiner muss hungrig bleiben. So wurden Ehrenamtliche Mitarbeiter  auf einmal Mitarbeiter im Gastgewerbe.

„Kommet her zu mir alle…“ Diese Einladung Jesu gilt allen Menschen. Menschen, die sich Sorgen machen, ob sie die Gaststätten wieder werden öffnen können, Menschen mit Hunger und ohne Dach auf der Straße, Menschen wie Ich oder auch Du.

Gerne ist das Team der Gasthausmission weiterhin für Sie erreichbar unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Ihr Jan von Campenhausen 
(stellv. Vorsitzender Gasthausmission
Pfarrer der ev. Philipp Melanchthonkirche Neukölln)

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